Per Du mit EuRopcar – round 2

Und das Warten geht weiter

Wir saßen also in diesem Restaurant und warteten auf den neuen Wagen. Und gerade mal 1 Stunde später kam unser Ersatzwagen an. Genau das gleiche Modell. Gleiche Farbe, gleiche Ausstattung, gleiche Abnutzung, gleicher Kilometerstand… quasi das gleiche Auto, aber dieses war sauber. Die Fußmatten hatten bei unserem nämlich schon sichtlich gelitten. In Windeseile kramten wir also unseren ganzen Mist in das neue Auto (es sammelt sich ja immer einiges an), ich erklärte kurz dem Mitarbeiter der Agentur was genau vorgefallen war und wir machten uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, denn inzwischen war es fast 20 Uhr.

Da es keine Heizung gab, wir aber unsere Klamotten trocken wollten, legten wir eine kurze Föhn-Session ein. Denn trotz Regencapes sind die Jacken und Hosen darunter etwas nass geworden und am nächsten Morgen wollten wir natürlich frisch in den Tag starten. Ein leichtes Hungergefühl trieb uns dann doch noch einmal hinaus in den Regen, in ein Soda (ein costa-ricanisches Lokal, mit Costa Rica Preisen). Schnell diniert und ab ins Bettchen. Denn der Plan für den nächsten Tag sah so aus:

  • 6.00 Uhr aufstehen
  • 6.45 Uhr Abfahrt Richtung Nebelwald
  • 7.00 Uhr kleines Frühstück im Café Kolibri
  • 8.00 Uhr Tour durch den Nebelwald
  • 10.00 Uhr Rückfahrt zum Hotel

Aber wie das mit Plänen so ist

Den ersten Programmpunkt haben wir beide geschafft, wir sind auch pünktlich um 6.45 Uhr los gefahren, aber nach wenigen Metern begrüßte uns das „frische“ Mietauto mit einer strahlenden Motorkontrollleuchte. Jeih! Wir wollten trotzdem erst bis zum Café fahren und von dort aus telefonieren. Am Café Kolibri angekommen, konnten wir schon die dick eingepackten Ranger am Eingang des biologischen Reservats Monteverde sehen (beides liegt nur wenige Meter auseinander) und dachten, wir gehen mal kurz schauen, wie die Lage ist. Uns kam direkt ein Guide entgegen und erklärte „I am afraid the cloud forest is closed today, due to the weather conditions. It is too dangerous.“ Unsere Glückssträhne hielt also anscheinend an.

Umgedreht und ab zu den Kolibris. EuRopcar wurde schon wieder angerufen, aber die fragten nur nach dem Modell (ein ssangyong korando) und teilten uns dann mit, dass sei bei dem Wagen normal, wir könnten so einfach weiter fahren. Na immerhin.

Kolibris in Monteverde, Costa Rica
Bis zu 90 Flügelschläge pro Sekunde, zu schnell für das Handy
Kolibri am Nektar in Costa Rica
Rund 400 Herzschläge pro Minute Im Ruhezustand

 

 

 

 

 

 

 

Also gab es erstmal ein kleines Frühstück umschwirrt von vielen verschiedenen Kolibris, die so nah waren, das man sie hätte streicheln können. Ich habe dem Drang widerstanden und es nicht getan. Aber auch einfach nur da zu stehen und diese unfassbar flinken Tierchen von ganz nah zu beobachten, hat mich den Ärger um das Auto gänzlich vergessen lassen. Leider musste ich mich irgendwann von diesem schillernden Anblick los reißen, weil ich noch zu den Butterfly Gardens wollte.

Schmetterlinge in Plastikbechern

Tarantel im Regenwald in Costa Rica
Weibliche Orange-Knie-Tarantel lebt in Erdlöchern
Schmetterling im Regenwald von Costa Rica
Blauer Morphofalter bereit für den 1. Flug
Schmetterling im costa ricanischen Regenwald in Monteverde
Mittelamerikanischer Schwalbenschwanz, der als einziger mit geöffneten Flügeln herumsitzt

 

 

 

 

 

 

Dort haben wir eine private Führung bekommen, denn kein anderer Touri war da. Taranteln, Stabheuschrecken, Käfer, Ameisen und natürlich Schmetterlinge. Es gab alles und natürlich auch viele interessante Fakten. Wir durften auch am Morgen geschlüpfte Schmetterlinge, die in Plastikbechern auf ihre Freilassung warteten mitnehmen und in einem der Gewächshäuser fliegen lassen. Eine wirklich schöne Führung. Leider war es dann aber schon an der Zeit den Heimweg anzutreten.

In nach wie vor strömendem Regen sind wir also los gefahren. Wie auf dem Hinweg, kamen wir bei Limonal in Stau, dieses mal aber nicht durch Demonstranten verursacht, es war anscheinend einfach viel Verkehr. Gerade als wir in Nicoya waren, ließ der Regen etwas nach und wir öffneten die Fenster um frische Luft herein zu lassen. Nach wenigen Augenblicken fing es jedoch wieder an zu regnen und wir wollten die Fenster schließen. Pustekuchen. Die Fensterheber funktionierten nicht mehr. Gott sei Dank war mein Fenster nur ein paar Zentimeter auf. Das meines Freundes war jedoch fast komplett unten.

Es regnete also fröhlich herein und wir hatten immer noch eine gute halbe Stunde Fahrt vor uns. Behelfsmäßig klemmten wir den Poncho vors Fenster und freuten uns schon auf den nächsten Anruf bei der Mietwagenzentrale. Vom Hotel aus riefen wir auch direkt an. Entgegen unserer Erwartung, sie würden einen Mechaniker schicken, der sich das mal anschaut, wurde uns direkt ein neuer Wagen versprochen, der Fahrer sollte in diesem Augenblick los fahren und sei in 3 Stunden da. Das Spielchen kannten wir ja schon. Aber nach ziemlich genau 3 Stunden fuhr ein großer Toyota die Einfahrt hoch. Der war wirklich für uns. Und er wirkte schonmal robuster und bietet mehr Platz. Allerdings hat der keinen Allrad-Antrieb, weswegen wir gespannt sind, was bei unserem nächsten Ausflug auf uns zukommt…

Schäden nach dem Unwetter in Costa Rica
Umgestürzter Baum blockierte die Straße nach dem Unwetter
Fluss stark angeschwollen in Sámara, Costa Rica, kein Durchkommen mit dem Auto
Sonst kein Problem für das Auto, aber jetzt unpassierbar

Was wir übrigens erst im Nachhinein realisiert haben: es war nicht einfach nur viel Regen und typisch schlechtes Wetter in der Regenzeit. Für die Zentral- und Nordpazifik Region wurde ein Alarm ausgegeben. Durch den starken Regen gab es viele Erdrutsche, Straßen wurden überschwemmt, Häuser mussten evakuiert werden und in der Region Guanacaste wurden 13 Notunterkünfte eingerichtet. Insgesamt in den betroffenen Provinzen sogar 21 Unterkünfte für 2793 Menschen. Ein Mann kam ums Leben, weil ein Baum auf sein Haus stürzte. In Costa Rica wurden nach den Regentagen unter anderem 79 Straßenschäden, 35 Erdrutsche und mancherorts Probleme mit der Wasserversorgung gemeldet. Auf unserem Rückweg bemerkten wir natürlich auch das ein oder andere Hindernis mehr auf der Straße, aber gut abgeschirmt von jeglichen Nachrichten und voll im Touristen-Modus, dachten wir uns da nicht viel bei. Inzwischen hat sich das Wetter wieder beruhigt, sodass die Aufräumarbeiten fortgesetzt werden können. 

 

Wer lesen möchte wie wir überhaupt in diese Situation gelangt sind, der kann das hier tun