Praktikum Costa Rica zwischen Vögeln
Papagei im Hotel

Als frisch gebackene Bachelor-Absolventin wollte ich „nochmal was anderes machen“, bevor es ins harte Berufsleben geht. Von einer unerwarteten Nacht in Miami, einem Willkommensgruß von einem Skorpion und dem Paradies – Mein Praktikum Costa Rica.

05:30 Uhr, Amsterdam

Wie es sich gehört, erscheine ich 120 Minuten vor Abflug am Flughafen. Das heutige Programm: Amsterdam – London – Miami – Liberia, Costa Rica. Erste Hürde: Gepäck Check-In. Der Koffer wiegt exakt 20 kg. Puh, Glück gehabt. Verabschiedung vom Freund, schon weniger easy. Aber naja, es sind ja nur drei Monate. Und da wir sowieso seit knapp zwei Jahren eine Fernbeziehung führen, werden wir das schon wuppen. Also: Tränen abwischen und auf zur ersten Etappe.

Der Flug von Amsterdam nach London Heathrow dauert nur eine gute Stunde. Dann von einem Terminal zum nächsten und ungefähr drei Stunden Aufenthalt. Daraus wurden dann vier. Das könnte knapp werden in Miami, anstatt zwei nur eine Stunde Zeit um aus dem einen Flugzeug rauszukommen, durch die Passkontrolle zu kommen und irgendwie das Gate vom Anschlussflug zu finden. Noch dazu war das mein erster Flug nach Übersee. Zehn Stunden im Flieger, das kann ja was werden! War dann aber halb so schlimm, dank On Board Entertainment und all inclusive Verpflegung.

17:15 Uhr, Miami

In einer Stunde geht der Flug nach Costa Rica. Der Mann neben mir in der Schlange sagt: „Ach, in einer Stunde schaffst du das LOCKER.“ Aber genau in solchen Situationen steht man ja immer in der falschen Schlange. Es geht einfach nicht voran. Nach einer Ewigkeit bin ich dran: Pass, Grund der Reise, Fingerabdruck links, rechts, fertig. Ich trau mich nicht einmal, auf die Uhr zu schauen. Aber es muss so circa 18 Uhr sein, das heißt 20 Minuten bis zum Abflug. Ich renn einfach mal los. Um 18:10 Uhr komme ich an einen Schalter, wo mir gesagt wird, die Maschine sei schon weg. Also an alle, die denken: „Das ist doch ‘n Anschlussflug, die warten.“ Nein, tun sie nicht. Okay, dann nehm ich halt den nächsten, der kommt doch bestimmt in zwei Stunden oder so. Nochmal falsch.

Dafür gibt’s eine Nacht in ‘nem relativ schicken Hotel, Abendessen und Frühstück inklusive. Der nächste Flug nach Liberia geht am nächsten Morgen um 11:15 Uhr.

Einen Nervenzusammenbruch später…

stehe ich an der Bushaltestelle am Flughafen in Miami, wo mich das Hotelshuttle abholen soll. Im Hotel angekommen habe ich mich längst beruhigt und spätestens als ich mein luxuriöses Zimmer sehe denke ich mir: Was soll’s, dann schläfste halt eine Nacht in Miami, ist doch nichts dabei! Ein leckerer Salat, ein bisschen Ami-TV und eine Dusche und am nächsten Morgen kann die Reise weitergehen. So ruhig war die Nacht dann aber auch nicht, die Angst vorm Flugverpassen war einfach zu groß. Also super früh aufstehen, um auch ja pünktlich am Flughafen zu sein! Diesmal sogar drei Stunden vorher, zur Sicherheit. Bordkarte aus dem Automaten ziehen, durch die Sicherheitskontrolle und ab zum Gate. So, jetzt zwei Stunden warten und dann geht’s los!

Liberia, Costa Rica, 12:58 Uhr

Nur gut zwei ein halb Stunden dauert der Flug von Miami nach Liberia. Dann wieder Pass- und Gepäckkontrolle und weiter geht’s. Jetzt hab ich noch circa drei Stunden Busfahrt vor mir, inklusive einmal umsteigen. Das Flughafenpersonal kann mir zwar sagen, wo ich auf den Bus warten soll, aber leider nicht, wie lange. Es sind dann gut 45 Minuten geworden. In der prallen Mittagssonne und ohne Wasser. Der Bus war so voll, dass die Leute schon bis vorne an die Eingangstür gedrängt standen und ich musste da auch noch irgendwie rein.

Aber ganz gut, dass ich dann direkt neben dem Fahrer stand, denn das Bezahlen war nicht so einfach. Da mir vor meiner Reise gesagt wurde, dass US $ überall akzeptiert werden, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, mir Costa Rica-Colones zu beschaffen. Von dem, was der Busfahrer redet, verstehe ich kein Wort und drücke ihm einfach mal 50 Dollar in die Hand. Ich bekomme einige tausend Colones zurück, also wird es wohl nicht so teuer gewesen sein. Nach zwei Stunden Fahrt muss ich in Nicoya umsteigen, um den Bus Richtung Sámara zu nehmen. Da durfte ich dann bei 35° C mit meinen beiden Koffern erstmal durch die halbe Stadt latschen, um zu der anderen Bushaltestelle zu kommen. Zum Glück hat mir eine sehr nette Einheimische den Weg gezeigt.

Diesmal habe ich Glück und der Bus ist schon da. Aber die Kommunikation mit dem Busfahrer ist wieder nicht so einfach. Ich soll an einer Tankstelle bei Sámara aussteigen, hatte mein zukünftiger Chef mir geschrieben. Das hab ich versucht, dem Busfahrer zu erklären. Ich konnte aus seiner Antwort aber nicht entnehmen, ob er mich verstanden hat oder nicht. Nach ca. 45 Minuten Fahrt steige ich an einer Tankstelle aus, in der Hoffnung, dass es die richtige ist. Zur Verabschiedung ruft mir der Busfahrer zu: „Dein Spanisch ist sehr schlecht!“

Irgendwo im Nirgendwo, 17:20 Uhr

Es fängt schon langsam an dunkel zu werden und ich steh ein bisschen verloren mit meinen zwei Koffern an irgendeiner Tankstelle in Costa Rica. Nach 15 Minuten – einer gefühlten Ewigkeit – kommt mein Chef Rainer mit dem Auto um mich abzuholen. Jetzt ist die Sonne auch schon komplett verschwunden. Über eine Schotterpiste geht es durch den Dschungel zum Hotel. Endlich angekommen! Jetzt kann ich aufatmen, aber dass ich jetzt wirklich in Costa Rica angekommen bin, realisiere ich immer noch nicht. Der Abend geht relativ ruhig zu Ende, bis ich mein Zimmer beziehe und hinter dem Mülleimer ein Skorpion auf mich wartet. Bienvenido en Costa Rica!

Die erste Nacht war nicht so erholsam, die ganzen Geräusche der Tiere waren schon ein bisschen unheimlich. Ab fünf Uhr werde ich von den Brüllaffen geweckt, die direkt hinter meinem Zimmer in den Bäumen klettern. Wenig später geht auch schon die Sonne auf und ich bereite mich auf meinen ersten Tag vor.

Kann man das wirklich Arbeit nennen?

Morgens um sieben beginnt mein Arbeitstag. Erst wird fix das Restaurant auf Vordermann gebracht und dann wird gefrühstückt. Müsli mit Buttermilch und frischer Papaya, dazu organischer Kaffe aus lokalem Anbau. Besser geht’s nicht! Dann helfe ich beim Frühstücksservice mit und wenn alle Gäste versorgt sind geht es an den PC, um die Websites zu aktualisieren. Das macht natürlich noch mehr Spaß, wenn man dabei bei 30° C auf der Terrasse sitzt mit Blick auf Kokospalmen, schwirrende Kolibris und kletternde Nasenbären. Das hat mit meinen vorherigen Bürojobs natürlich nichts zu tun. Arbeit ist das aber trotzdem! Es gibt Dinge, die erledigt werden müssen, dafür bin ich ja auch hier. Aber in so einem paradiesischen Ambiente geht natürlich alles leichter von der Hand.

Und dann kommt die laaange Mittagspause: von ungefähr 12 bis 17 Uhr habe ich Zeit für mich. Da gehe ich an den Pool, ans Meer, joggen oder nutze die Zeit zum Skypen und Telefonieren. Der wunderschöne Sandstrand Buenavista ist nicht mal zehn Fußminuten entfernt! Dort gibt es eine Schildkrötenbrutstation und man kann Pelikane beobachten. Ab 17 Uhr arbeite ich dann nochmal an den Webseiten und bediene später die Restaurantgäste. Zwischen 20 und 21 Uhr ist dann meistens Feierabend.

Arbeiten im Paradies

Was ich bis jetzt von Costa Rica gesehen habe, ist wirklich beeindruckend. So viel Natur auf so kleiner Fläche Land! Überall ist es grün und man kann exotische Tiere beobachten. Schon auf dem Hotelgelände bekommt man einen Eindruck von der Flora und Fauna: Kokospalmen, Brüllaffen, Leguane und Kolibri, um nur einige zu nennen. Umgeben ist das Hotel von wilder Natur und den Traumstrand Buenavista habe ich ja schon erwähnt. Was ein Land ausmacht, sind natürlich vor allem seine Menschen. Und da habe ich bis jetzt auch nur Positives zu berichten: Die Ticos, wie die Einheimischen hier genannt werden, waren bis jetzt alle sehr freundlich und hilfsbereit. Vielleicht liegt es ja daran, dass sie einfach zufrieden mit sich und ihrem Leben sind; In Costa Rica sollen ja die glücklichsten Menschen der Welt leben.

Also, wenn du einmal die Gelegenheit bekommst, in Costa Rica – oder auch sonst wo auf der Welt – ein Praktikum oder Ähnliches zu machen, überleg‘ nicht lange und mach es einfach! Deine Freunde und Familie sind auch noch da, wenn du wieder kommst. Und der Job, die Uni oder das Haus können auch ein paar Monate warten!

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