Per Du mit EuRopcar

Die ultimative Touri-Tour

Alles schien perfekt. Am Donnerstag sollte mein freier Tag in meinem schönen Costa Rica Hotel sein. Mein Freund ist zu Besuch. Wir haben einen Mietwagen. Wir sind in Costa Rica und hungrig. Hungrig auf viele Abenteuer, Tiere, Menschen, Pflanzen, Action… einfach alles. Denn von uns war noch keiner in Zentralamerika, deswegen planten wir früh morgens nach Monteverde zu fahren, eine Tour durch den Nebelwald zu machen, das Kolibri Kaffee zu besuchen und natürlich die Ober-Touri-Unternehmung schlechthin: eine Kaffeetour.

Wir sind also gegen 6.30 Uhr morgens aufgebrochen und waren bester Laune. Da es bereits seit 2 Tagen durch regnete, beschlossen wir in Nicoya in den Maxi Palí zu flitzen und uns Regencapes zu holen. Gummistiefel wären auch fein, aber die gabs nicht. Dann eben nur die Capes. Zurück ins Auto und weiter. Aber leider nicht ganz so weit, wie wir hofften. Denn als wäre es nicht genug, dass das Wetter völlig eskaliert, wir gerieten auch noch mitten in den Streik. In der Nähe von Limonal waren wir 1 Stunde lang Teil der Demonstration und sind im Schritttempo zwischen den Demonstranten gefahren. Ich, als Rheinländerin, kam mir ein bisschen so vor wie im Karnevalszug. Es haben nur Klömpsche (Süßigkeiten) und de Höhner gefehlt. Nach viel Geduld, zustimmendem Genicke und Gewinke hatten wir es endlich geschafft und konnten weiter fahren.

Gewerkschaftsstreik in Kinomal, Costa Rica
Verstopfte Straßen wegen der Demonstration in Costa Rica
Demonstranten in Limonal, Costa Rica
No al Combo fiscal, der Streik geht weiter

 

 

 

 

 

 

 

Kurze Zeit später kamen wir auch schon an einer Schotterstraße aus, die bergauf führte. Schnell machte sich der Temperaturwechsel bemerkbar und zu dem Dauerregen gesellte sich dicker Nebel. Die Schilder am Wegesrand „Beautiful view“ ignorierten wir gekonnt. Unser Ziel hatten wir klar vor Augen. Nicht mehr der Nebelwald war unsere erste Anlaufstelle, dazu hatten uns der Streik und die teilweise schlechten Sichtverhältnisse zu viel Zeit gekostet.

Wir wollten mit der Kaffeetour starten. An der Plantage angekommen sagte man uns, dass die nächste Tour in 1 1/2 Stunden los ginge. Wir hatten also noch genügend Zeit in die „Innenstadt“ von Santa Elena zu fahren, zu tanken und uns Gummistiefel zu besorgen. Nachdem das Auto voll getankt war (zum Glück hatte diese Tankstelle keinen durch den Gewerkschaftsstreik verursachten Benzinengpass), kauften wir Gummistiefel und waren gerade auf dem Weg zurück zu der Kaffeeplantage etwas außerhalb der Stadt, da ging die Lampe für die Batterie an und die Servo-Lenkung fiel aus.

Rauch im Nebelwald

Bei tiefen Schlaglöchern und Schotterstraßen definitiv ein Luxus, den man gerne hat. War zwar etwas anstrengender so zu fahren, aber die Tour wollten wir uns nicht entgehen lassen und fuhren weiter. 5 Kurven später stieg Rauch aus der Motorhaube auf. Klasse! Rechts ran, Motor aus, fluchen. Da das Straßenstück sehr schmal war, wollten wir den Weg frei machen und ließen uns rückwärts den Berg runter in eine Restaurant-Einfahrt rollen. In dem italienischen Restaurant wurden wir sehr nett empfangen und durften unsere Mietwagen Firma (Europcar) anrufen. Die hörten sich das Problem an und wollten direkt einen Mitarbeiter in einem Ersatzwagen los schicken. Der sollte allerdings aus Liberia kommen und 3-4 Stunden brauchen. Sich weiter ärgern bringt nichts, dachten wir uns und haben uns erstmal riesen Pizzen bestellt.

Wie es der Zufall will, waren wir und 2 Frauen die einzigen Gäste und eben diese hatten unser Gespräch über unsere Lage mit dem Kellner mit angehört und erklärten uns, sie würden jetzt gleich auch eine Kaffeetour machen und sie könnten uns gerne im Auto mitnehmen. Nach kurzem Überlegen haben wir zu gesagt. Denn was sollten wir 3 Stunden tatenlos im Restaurant sitzen, wenn wir doch schon etwas unternehmen könnten. Also sind wir mit gefahren. Die Tour dauerte fast 2 Stunden, wir sind durch die Kaffee-, Zuckerrohr- und Macadamiaplantagen gelaufen, haben den Produktionsprozess gesehen, den Unterschied zwischen den verschiedenen Produktionsprozessen kennengelernt und auch Kakaobohnen gegessen.

Kakaofrucht in Costa Rica
Geöffnete Kakaofrucht mit Bohnen
Kakaobohnen auf Bananenblatt
Kakaobohnen in verschiedenen Stadien

 

 

 

 

 

 

 

 

Also zumindest das schleimige Äußere, der unbehandelte Kern ist einfach viel zu bitter und schmeckt nicht. Etwas weiter verarbeitet sieht das ganze schon anders aus und schmeckt hervorragend.

Zuckerrohr von der Plantage in Costa Rica
Flüssiger, warmer Zuckerrohr
Fester Zuckerrohr, nach Verarbeitung in Cost Rica
Nach dem Rühren steinhart

Den zerkochten Zuckerrohr durften wir auch selber verarbeiten, heraus kam eine zuckrige, steinharte Masse. Am Ende der Tour gab es natürlich noch einen Kaffee. Durchnässt aber definitiv etwas klüger als vorher liefen wir zurück ins Restaurant und siehe da: nichts. Wir riefen erneut bei der Agentur an, die sagten uns der Fahrer sei auf dem Weg und bräuchte noch 20 Minuten. Jetzt bin ich nicht erst seit gestern in Costa Rica und weiß, was 20 Minuten heißt. Wir loggten uns also ins WLAN ein und recherchierten nach Unternehmungen für den kommenden Tag.

Ob diese Recherche überhaupt notwendig war und wir wirklich ein neues Auto bekommen haben, erfahrt ihr in Teil 2…

Wer etwas ernstere Kost verträgt, sollte sich den Beitrag über eine ziemlich aufgeklärte Schwedin zu Gemüte führen